Du spielst mit dem Gedanken, ein Fernstudium zu starten – aber irgendwie fehlt dir das Bild, wie das Ganze konkret aussieht? Kein Hörsaal, kein fester Stundenplan, kein Campus: Klingt erstmal ungewohnt. Gleichzeitig wächst die Zahl der Fernstudierenden in Deutschland rasant. Laut einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes waren im Wintersemester 2022/23 über 250.000 Studierende in einem Fernstudium eingeschrieben – das entspricht 8,6 Prozent aller Studierenden in Deutschland.
Offensichtlich funktioniert dieses Studienmodell also für eine Menge Menschen. In diesem Artikel erfährst du Schritt für Schritt, wie ein Fernstudium tatsächlich abläuft, wie viel Zeit du pro Woche einplanen solltest, wie Prüfungen funktionieren und für wen sich ein Fernstudium wirklich lohnt.
Kurz erklärt: Fernstudium – was ist das?
Ein Fernstudium ist in der Regel ein akademisches Studium (Bachelor- oder Masterstudiengang), bei dem du den überwiegenden Teil der Lerninhalte orts- und zeitunabhängig über digitale Lernplattformen bearbeitest. Je nach Hochschule und Studiengang gibt es ergänzend Online-Seminare, virtuelle Sprechstunden oder auch vollständig digitale Formate. Präsenzanteile vor Ort sind minimal oder entfallen komplett.
- Für wen: Berufstätige, Eltern, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen, alle, die flexibel studieren möchten
- Abschluss: Staatlich anerkannter Bachelor oder Master – gleichwertig zum Präsenzstudium
- Typischer Zeitaufwand: Zwischen 10 und 30 Stunden pro Woche, je nach Voll- oder Teilzeit
- Wichtige Voraussetzung: Selbstdisziplin und eine realistische Zeitplanung
- Häufiger Fehler: Den Aufwand unterschätzen und keine festen Lernzeiten einrichten
So funktioniert das Fernstudium: Der typische Ablauf
Der Einstieg ins Fernstudium ist oft flexibler als im klassischen Präsenzstudium. Viele Fernhochschulen haben keinen NC und ermöglichen einen Studienstart zu festen Terminen oder sogar monatlich; die Bewerbung läuft meist digital. Entscheidend kann es tatsächlich sein, dass du vorab prüfst, ob die Hochschule staatlich anerkannt und der Studiengang akkreditiert ist. Wenn du dich jetzt aber fragst, wie ein Fernstudium konkret abläuft, hilft es dennoch, den Prozess in drei Phasen zu unterteilen. Der Ablauf kann sich zwar je nach Hochschule und Studiengang unterscheiden, aber ein grundlegendes Muster zieht sich durch die meisten Programme.
Bewerbung und Immatrikulation
Der Einstieg ins Fernstudium ist in der Regel etwas unkomplizierter als bei Präsenzstudiengängen. Viele Fernhochschulen – besonders private Anbieter – verzichten auf einen NC und ermöglichen einen flexiblen Studienstart, häufig sogar monatlich oder quartalsweise. Du bewirbst dich also online, reichst deine Unterlagen digital ein und erhältst nach erfolgreicher Prüfung deinen Zugang zur Lernplattform. Manche Hochschulen bieten einen kostenlosen Probemonat an, in dem du testen kannst, ob das Fernstudium zu dir passt. Achte bei der Auswahl unbedingt auf die staatliche Anerkennung und, bei privaten Anbietern, auf die Akkreditierung der Studiengänge durch eine der zuständigen Agenturen.
Lernen im digitalen Campus
Das Herzstück des Fernstudiums ist das eigenständige Lernen über eine digitale Lernplattform. Dort findest du in der Regel Studienskripte, Videovorlesungen, interaktive Übungen und Diskussionsforen. Die meisten Hochschulen arbeiten mit einem modularen Aufbau: Du belegst sogenannte Module nacheinander oder parallel, je nach deinem Tempo und deiner Kapazität. Anders als im Präsenzstudium gibt es häufig keinen starren Semesterrhythmus. Du kannst dir deine Lernzeiten selbst einteilen – morgens um sechs vor der Arbeit, abends auf dem Sofa oder am Wochenende in der Bibliothek.
Hat man bei einem Fernstudium Vorlesungen? Die klassische Vorlesung im Hörsaal gibt es meist nicht. Stattdessen stehen dir aufgezeichnete Video-Lectures, Live-Webinare oder Flipped-Classroom-Formate zur Verfügung. In Live-Webinaren kannst du direkt Fragen stellen und mit Lehrenden interagieren – das kommt dem Vorlesungsformat am nächsten. Viele Fernstudierende schätzen genau diese Mischung: das Tempo selbst bestimmen, aber trotzdem den Austausch nicht verlieren.
Präsenzphasen und Vor-Ort-Termine
Komplett allein bist du nicht. Die meisten Fernstudiengänge beinhalten ein gewisses Maß an Präsenzveranstaltungen – etwa Wochenendseminare, Workshops oder Prüfungen, die vor Ort an Studienzentren oder der Hochschule stattfinden. Laut einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) umfassen Fernstudienangebote in der Regel einen Präsenzanteil von unter 50 Prozent. Einige Hochschulen bieten allerdings inzwischen auch rein online studierbare Programme an, bei denen selbst Prüfungen digital abgelegt werden. Falls du beruflich stark eingespannt bist oder weit von einem Studienzentrum entfernt wohnst, lohnt sich ein gezielter Blick auf die Prüfungsformate und Präsenzpflichten, bevor du dich einschreibst.
Zeitaufwand: Wie viele Stunden pro Woche solltest du einplanen?
Die Frage nach dem wöchentlichen Zeitaufwand ist eine der häufigsten – und gleichzeitig eine der schwierigsten, pauschal zu beantworten. Denn dein tatsächlicher Workload hängt von mehreren Faktoren ab: Studierst du in Voll- oder Teilzeit? Wie schnell erfasst du neue Inhalte? Stehen gerade Prüfungen an oder befindest du dich in einer normalen Lernphase?
Als grober Orientierungswert werden für ein Vollzeitstudium etwa 25 bis 30 Stunden pro Woche angesetzt; im Fernstudium schwankt der tatsächliche Aufwand jedoch je nach Modell und Lebenssituation deutlich.
Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) legt die studentische Arbeitsbelastung auf durchschnittlich 25 bis 30 Stunden pro Woche fest – das gilt grundsätzlich auch fürs Fernstudium. In der Praxis zeigt sich allerdings ein anderes Bild: Wer in Teilzeit studiert und nebenbei arbeitet, kommt häufig auf etwa 15 bis 20 Stunden pro Woche. In Prüfungsphasen kann der Aufwand kurzzeitig deutlich höher liegen. Laut einer qualitativen Studie von Krey (2022) workloaden Teilzeitstudierende im Fernstudium durchschnittlich ca. 18 Stunden wöchentlich, während Vollzeitstudierende bei rund 28 Stunden liegen. Dies solltest du allerdings als groben Orientierungswert lesen – im Fernstudium schwankt der tatsächliche Aufwand jedoch je nach Modell und Lebenssituation deutlich.
Beratungsbox
Plane deine Lernzeiten nicht nur nach Verfügbarkeit, sondern nach deiner persönlichen Leistungskurve. Viele Fernstudierende berichten, dass sie in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden am konzentriertesten arbeiten – also genau dann, wenn der Familienalltag oder der Job gerade pausiert.
Prüfungen: Wie laufen Klausuren, Hausarbeiten & Co. im Fernstudium ab?
Prüfungen sind wahrscheinlich der Punkt, der die meisten Unsicherheiten auslöst. Die gute Nachricht: Im Fernstudium gibt es in der Regel dieselben Prüfungsformate wie im Präsenzstudium – nur die Rahmenbedingungen sind häufig flexibler.
Typische Prüfungsformate
Du wirst im Verlauf deines Fernstudiums auf verschiedene Prüfungsarten treffen. Klausuren, die traditionell vor Ort geschrieben werden, sind an vielen Hochschulen mittlerweile auch als Online-Klausuren möglich – beaufsichtigt per Kamera und Software. Hausarbeiten, Projektarbeiten und Portfolios gehören ebenfalls zum Standard. Mündliche Prüfungen finden häufig per Videokonferenz statt. Wie viele Klausuren pro Semester auf dich zukommen, hängt vom Studiengang und deiner Modulbelegung ab. Üblich sind zwei bis vier Modulprüfungen pro Semester, wobei du dir bei vielen Anbietern die Prüfungstermine selbst aussuchen kannst.
Prüfungsvorbereitung im Fernstudium
Die Vorbereitung auf Prüfungen erfordert im Fernstudium besonders viel Eigeninitiative. Dir steht meist kein*e Seminarleiter*in gegenüber, der*die die prüfungsrelevanten Themen nochmal zusammenfasst. Stattdessen arbeitest du mit den bereitgestellten Materialien, nutzt Online-Tutorien und tauscht dich idealerweise in Lerngruppen mit Kommiliton*innen aus. Studien zeigen, dass Fernstudierende, die in Lerngruppen organisiert sind, auch häufig bessere Prüfungsergebnisse erzielen. Der Austausch untereinander hilft also nicht nur fachlich, sondern wirkt auch motivierend.
Was du erwarten kannst
- Online-Klausuren: meist mit Aufsicht per Kamera oder spezieller Software.
- Präsenzklausuren: an Prüfungszentren oder Hochschulstandorten.
- Hausarbeiten und Projekte: besonders häufig in modularen Fernstudiengängen.
- Mündliche Prüfungen: oft digital, je nach Hochschule.
Was wichtig ist: Unterschätze den Zeitaufwand für die Prüfungsvorbereitung nicht. Viele Fernstudierende berichten, dass sie in Prüfungsphasen deutlich mehr investieren als in regulären Lernwochen. Plane dafür bewusst Puffer ein – besonders wenn du parallel arbeitest.
Für wen lohnt sich ein Fernstudium?
Bevor du dich einschreibst, solltest du zusätzlich reflektieren, ob ein Fernstudium wirklich zu deiner aktuellen Lebenssituation passt. Die Freiheit, die das Fernstudium bietet, ist gleichzeitig seine größte Herausforderung: Ohne feste Vorlesungszeiten und Kommiliton*innen neben dir brauchst du ein hohes Maß an Eigenmotivation.
Checkliste: Passt ein Fernstudium zu mir?
- Ich kann mich gut selbst organisieren und brauche keinen festen äußeren Rahmen zum Lernen. ✔︎
- Ich bin bereit, über mehrere Jahre hinweg regelmäßig neben Job, Familie oder anderen Verpflichtungen zu lernen. ✔︎
- Ich kann mit Phasen der Isolation umgehen – Fernstudieren ist oft ein Solo-Weg. ✔︎
- Ich habe ein klares berufliches oder persönliches Ziel, das mich auch in schwierigen Phasen motiviert. ✔︎
- Mein privates Umfeld (Partner*in, Familie) unterstützt mein Vorhaben oder ist zumindest informiert. ✔︎
- Ich habe die finanziellen Mittel oder eine realistische Finanzierungsstrategie. ✔︎
- Ich bin bereit, auf Freizeit zu verzichten – zumindest zeitweise. ✔︎
Drei Reflexionsfragen
1
Was genau will ich mit dem Fernstudium erreichen?
Karriereaufstieg, Berufswechsel, persönliche Weiterentwicklung? Je klarer dein Ziel, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass du durchhältst. Forschung zeigt, dass die Motivation zum Fernstudium in der Regel aus beruflichen Gründen entsteht – sei es Unzufriedenheit mit der aktuellen Position, der Wunsch nach besseren Arbeitsmarktchancen oder die Notwendigkeit eines akademischen Abschlusses.
2
Wie sieht mein Wochenplan realistisch aus?
Nimm dir eine typische Woche und trage alle festen Verpflichtungen ein. Wie viele Stunden bleiben wirklich für das Studium? Wenn du auf weniger als 10 Stunden kommst, solltest du prüfen, ob ein Teilzeitmodell realistisch ist oder ob du zunächst andere Stellschrauben verändern musst.
3
Wie gehe ich mit Rückschlägen um?
Eine nicht bestandene Prüfung, ein stressiger Monat im Job, persönliche Krisen – all das kann passieren. Die Frage ist nicht, ob es Rückschläge gibt, sondern wie du damit umgehst. Wer dazu neigt, bei Schwierigkeiten alles hinzuwerfen, sollte sich vorab eine Strategie überlegen. Lerngruppen, Austausch mit anderen Fernstudierenden oder auch professionelle Studienberatung können hier enorm helfen.
Fernstudium an einer staatlichen Hochschule: Geht das?
Ja, und das wird oft übersehen. Die bekannteste staatliche Fernhochschule in Deutschland ist die FernUniversität in Hagen – mit über 60.000 Studierenden eine der größten Hochschulen des Landes. Daneben bieten auch andere staatliche Hochschulen Fernstudiengänge an – starte deine Suche gerne mit unserem StudyFinder, und setze deinen Filter im "Studienmodus" entsprechend auf "Online-Kurs".
Der Vorteil eines Fernstudiums an einer staatlichen Hochschule: Die Kosten sind deutlich geringer als an privaten Anbietern. Die FernUniversität in Hagen verlangt vergleichsweise moderate Gebühren, die deutlich unter 500 Euro pro Semester liegen können. Bei anderen staatlichen Hochschulen zahlst du meist sogar nur einen Semester- bzw- Sozialbeitrag. Dafür kann das Studienangebot an privaten Hochschulen breiter sein: Laut dem HRK-Hochschulkompass stellen private Hochschulen mit rund 68 Prozent die Mehrzahl aller Fernstudienangebote in Deutschland.
Bei deiner Recherche kannst du dich an folgenden Fragen orientieren:
- Ist die Hochschule staatlich anerkannt?
- Sind die Studiengänge akkreditiert (z. B. durch FIBAA, AQAS oder ZEvA)?
- Welche Prüfungsformate werden angeboten – Online, Präsenz, hybrid?
- Wie sind die Kündigungs- und Widerrufsbedingungen im Studienvertrag?
- Welche Präsenzpflichten bestehen und wo befinden sich die Prüfungszentren?
- Wie ist die Betreuungssituation – Erreichbarkeit der Lehrenden, Tutorielle Begleitung?
FAQ – Die wichtigsten Fragen zum Fernstudium
Wie lange dauert ein Fernstudium?
Ein Fernstudium Bachelor dauert in Vollzeit in der Regel 6 Semester (3 Jahre), in Teilzeit 8 bis 12 Semester (4 bis 6 Jahre). Ein Fernstudium Master umfasst meist 3 bis 4 Semester in Vollzeit oder 4 bis 6 Semester in Teilzeit. Viele Hochschulen bieten kostenlose Verlängerungsoptionen an, falls du mehr Zeit brauchst – informiere dich unbedingt vorher bei der Studienberatung der Hochschule.
Wie viel Zeit pro Woche muss ich für ein Fernstudium einplanen?
In Vollzeit solltest du mit 25 bis 30 Stunden pro Woche rechnen, in Teilzeit mit 10 bis 20 Stunden. In Prüfungsphasen kann der Aufwand vorübergehend höher liegen. Entscheidend ist eine realistische Planung, die deinen Beruf und dein Privatleben berücksichtigt.
Wie laufen Prüfungen bei einem Fernstudium ab?
Prüfungen im Fernstudium können als Online-Klausuren (z. B. beaufsichtigt per Kamera), Präsenzklausuren an Prüfungszentren, Hausarbeiten, Projektarbeiten oder mündliche Prüfungen per Video stattfinden. Die genauen Formate variieren je nach Hochschule und Modul. Häufig kannst du dir den Prüfungstermin selbst aussuchen.
Kann ich ein Fernstudium ohne Abitur beginnen?
Ja, das ist in Deutschland je nach eigenen Voraussetzungen möglich. Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung, einer Meister- oder Fachwirtprüfung oder einer Zugangsprüfung kannst du in der Regel auch ohne Abitur ein Fernstudium aufnehmen. Die genauen Bedingungen variieren je nach Hochschule und Bundesland.
Muss mein Arbeitgeber mein Fernstudium genehmigen?
Nein. Du studierst in deiner Freizeit, daher brauchst du keine Genehmigung deines Arbeitgebers. Es kann aber sinnvoll sein, den Arbeitgeber zu informieren – manche Unternehmen unterstützen Weiterbildungen finanziell oder mit flexibleren Arbeitszeiten. Prüfe außerdem, ob du Anspruch auf Bildungsurlaub hast.
Quellen & weiterführende Informationen
- Fogolin, A. (2023): Strukturdaten Distance Learning/Distance Education 2023. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Bonn.
- Hüsch, M. (2024): Trend zum Fernstudium: Überblick über das aktuelle Studienangebot, die Entwicklung der Studierendenzahlen und Implikationen für die Hochschulforschung. Beiträge zur Hochschulforschung, 46. Jahrgang, 2/2024.
- Krey, K. (2022): Lernerfolg im Fernstudium. Der Einfluss lebensweltlich erworbener Kompetenzen. Budrich Academic Press, Opladen.
- Statistisches Bundesamt (2023): Statistischer Bericht – Statistik der Studierenden, Wintersemester 2022/23.


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